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Donnerstag, 19.07.2012 13:16 Alter: 8 Jahre

Papst Benedikt XVI

Ein fiktives Gespräch


Papst Benedikt XVI kommt nach einem langen irdischen Dasein in den Himmel. Gott und Papst sitzen sich gegenüber. Erst nach langem Schweigen kommen sie ins Gespräch.

Gott: „Wir kennen uns?“

Benedikt (etwas irritiert): „Ja“

Gott: „Ja, ich kenne Dich schon, aber kennst Du mich?“

Benedikt: „Mein ganzes Leben, Gott Vater, habe ich in Deinen Dienst gestellt! Ich habe den Menschen von Deiner Herrlichkeit erzählt, habe versucht, sie vor dem Teufel zu bewahren und ihnen den rechten Weg zu weisen.“

Gott: „Wie kannst du das tun, wenn du dich vor den Menschen fürchtest und glaubst, dich vor ihnen schützen zu müssen?“

Bennedikt: „Was meinst Du, Gott Vater?“

Gott: Ich denke nicht nur an das seltsam anmutende Gefährt, das du dir zu deinem Schutz hast bauen lassen...

Benedikt: „wenn ich Dich unterbrechen darf, Gott Vater, das war Paul, mein Vorgänger!“

Gott: „Ich denke an den prunkvollen Staat, den du dir errichtet hast, der den Menschen Demut und Ehrfurcht abverlangt, der dich erhöht und dich unnahbar macht. Warum dieser Prunk, wo ich doch sagte, dass mein Reich nicht von dieser Welt ist? Wenn du mir also dienen wolltest, warum hast du dich nicht auf mein Wort verlassen?“

Benedikt: „Die Menschen, Gott Vater, suchen nach sichtbaren Zeichen, sie brauchen Anleitung und Führung. Ich gab ihnen Orientierung und wohlwollend entschied ich, wer des rechten Glaubens ist und wer sich von Deiner Lehre losgesagt hat, denn Du gabst mir die Schlüssel...“

Gott: „Den Auftrag! Den Auftrag gab ich Dir, mein Wort in die Welt zu tragen und von meiner Wahrheit zu zeugen! Bist du in diesem Punkt nicht ein wenig zu weit gegangen? Du engtest meine Wahrheit ein auf die Ordnungen deiner Kirche, doch von einer Kirche sprach ich nicht, als ich dir den Auftrag gab; ich gab ihn dir als einem würdigen Vertreter der Gemeinschaft der Heiligen, auf dass du allen Zweifelnden ein Vorbild und eine Orientierung seist. Weißt du nicht, wie schwer man am Zweifel trägt?“

Benedikt: „Deine Wahrheit, Gott Vater, ist unteilbar! Ich musste die Menschen davon überzeugen, dass nur der Glaube an Dich zur Wahrheit führt und glaube mir, Gott Vater, es ist nicht einfach, die Gläubigen auf dem rechten Weg zu halten.“

Gott: „Ich, mein lieber Benedikt, - oder muss ich auch Heiliger Vater sagen? – ich versuche die Menschen von den Abhängigkeiten zu befreien, in die sie immer wieder geraten; frei zu machen von ihren selbsternannten Göttern und Götzen und von ihren irdischen Bindungen. Alle Menschen, lieber Benedikt, sind meine Kinder! Jedem steht die Tür zu meinem Reich offen – es ist das Haus ihres Vaters!  Verstehst du, wie ich das meine?“

Benedikt: „Die Freiheit, von der Du sprichst, Gott Vater, wollen die Menschen nicht! Sie sind zu schwach, in der Freiheit zu bestehen, zu der Du sie berufen hast. Bei der Suche, nach einem Halt greifen sie nach allem, was ihnen Sicherheit verspricht. Bereitwillig greifen sie nach dem, was als Angebot unmittelbar vor ihren Augen liegt. Dieses Verhalten der Menschen macht es notwendig, Dein Verständnis von Freiheit, Gott Vater, den Menschen in einer konkreten und begreifbaren Form zu vermitteln; sie müssen erst der Kirche gehorchen, bevor sie fähig sind, Deine Freiheit zu verstehen!“

Gott: „Dein Leben lang hast du dich in den Regularien deiner Kirche aufgehalten; kann es sein, das auch du, Benedikt, zu denjenigen Menschen gehörst, die mein Angebot an die Menschen nicht verstanden haben?“

Benedikt: „Verlangst Du, Gott Vater, nicht zu viel von mir? Mit ganzem Herzen habe ich Deinem Auftrag Folge geleistet, habe Deine Worte verinnerlicht und meine, sie durchaus verstanden zu haben. Zu meiner Aufgabe als Dein Vertreter gehörte es aber auch, die Menschen in ihrer Schwachheit zu verstehen und sie auf Deine Wahrheit vorzubereiten. So musste ich beiden Seiten gerecht werden und das war gewiss nicht einfach! “

Gott: „Du sagst Vertreter...“ (nachdenklich): „bin ich nicht selbst zu den Menschen gekommen und habe ihnen mein Wort gegeben? Ja, mehr noch, habe ich ihnen nicht deutlich gemacht, dass der Tod nicht das Ende bedeutet, sondern mit der Auferstehung der Blick frei wird für das eigentliche Leben. Die Unabhängigkeit von den irdischen Dingen, das ist Freiheit! Mit der Ausübung Deines Amtes hast du mit deinem Prunk und deiner allzu engen Kirchenlehre die Menschen blind gemacht für die Wahrheit, für die Freiheit! Ist es nicht so?“

Benedikt: „Es gibt nur Wenige, die Deine Botschaft hören und nur wenige, die bereit sind, Deinem Wort Folge zu leisten. Es war stets das Bemühen der Kirche, Wegbereiter für Deine Heilsbotschaft zu sein.“

Gott: „Ein Mittel, mein lieber Benedikt, das man gebraucht, um einem Zweck dienlich zu sein, darf nicht den Zweck misskreditieren. Das Mittel muss ebenso rein und glaubwürdig sein, wie der Zweck selbst. Die Kirche hat durch die lange Zeit ihrer Geschichte die Mittel entheiligt und hat sich damit dem Zweck entfremdet.  Zu sehr habt ihr euch leiten lassen von den Machenschaften weltlicher Obrigkeiten.“

Benedikt: „Es ist der Spagat zwischen Deinem Reich und meiner Welt, der Maßnahmen notwendig machte...“

Gott: „deiner Welt? Gibt es zwei, gibt es verschiedene Wahrheiten?“

Benedikt schweigt.

Gott: „Du sprichst von Maßnahmen, was meinst du damit?“

Benedikt: „Die Menschen brauchen eine verlässliche Orientierung. Man erreicht sie nur, wenn man sich nicht von modischen Strömungen leiten lässt und nicht auf Wünsche eingeht, die aus Launen oder persönlichen Interessen geboren werden. Es ist eine Frage der Konsequenz; mitunter ist eine harte Hand vonnöten.“

Gott: „Hast du das von mir? Konsequenz, mein lieber Benedikt, ist eine Sache persönlicher Entscheidungen nicht eine Methode der Disziplinierung. Erziehung ist nichts anderes als Selbsterziehung; entscheidend ist doch die Übereinstimmung von Wort und Tat. Überzeugung erwächst allein dem Vorbild! Wer nach meinem Wort lebt, der weiß auch mit den Wünschen der Menschen umzugehen!“

Benedikt: „Aus Deiner Sicht, Gott Vater, ist alles so anders, ich muss gesteh’n, es scheint alles so einfach!“

Gott: „Im Grunde warst du dir immer unsicher in deinem Glauben, zu unsicher, um einfach, wie du sagst, in der Wahrheit zu sein. Der Prunk, mit dem du dich umgeben hast, war nur eine der Stützen, die dir Sicherheit gaben. Du gründetest deine Macht auf ein von dir sorgfältig gehütetes Gesetzeswerk. Ich gab den Menschen Gebote während du sie mit Gesetzen gefügig gemacht hast. Gebote ermöglichen die Freiheit im Glauben während Gesetze, erlassen durch die Obrigkeit, über das Maß der Freiheiten im Irdischen entscheiden. Nicht die irdischen Freiheiten will ich euch geben sondern die Freiheit vom Irdischen! Die Gesetze waren zu sehr Grundlage deines Glaubens, Benedikt, nicht die Freiheit, die das Leben bedeutet! Du dachtest, mir einen Gefallen zu tun, indem du mit aller Strenge die Gesetze gehütet und verteidigt hast, dabei ging es dir doch eher darum, dich als starker Kirchenfürst zu behaupten, es ging dir um deine Bedeutung, die du doch nur durch mich erwerben konntest! Wie oft sagte ich dir: „wirf deine Krücken weg!“ Doch du hörtest mich nicht.“

Benedikt: „Du hast mir meine Schwäche nie gezeigt, Gott Vater! Ich war mir sicher in dem, was ich tat und das Volk hörte auf mich.“

Gott: „Die Stimme des Volkes verführt; deine Aufgabe war es, dich um die Menschen zu kümmern. Mein Anliegen ist der Mensch! Weil es nun aber Wenige sind, die auf meine Stimme hören, gab ich dir den Auftrag: „gehe hin und tue des Gleichen!“

Benedikt:  „Ja, es sind Wenige! (kleinlaut) Langsam verstehe ich, warum Du, Gott Vater, Petrus die Schlüssel gabst...“

Gott: „...den Auftrag, Benedikt, den Auftrag!

Benedikt schweigt.

Gott: „Erinnerst du dich, unter welch armseligen Umständen ich zu den Menschen kam? Ich bin Gott, der die Welt und alles Leben erschaffen hat; „ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Alle Menschen sind meine Kinder! Und eben darum sagte ich: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ Ich kam nicht als Fürst in die Welt! Damit mich aber alle Menschen hören können, redete ich zu den Armen, zu den Schwachen und Armseligen! Gerade diese Menschen sollen meine Kraft spüren, während die Starken oft zu sehr von ihren eigenen Möglichkeiten überzeugt sind und glauben, meiner nicht zu bedürfen. Nun verstehst du wohl, warum mir Prunk und weltlicher Glanz zuwider sind. Beides trennt den Menschen von der Wahrheit! Und so verhält es sich auch mit deinen Gesetzen; sie verlieren in ihrem pauschalen Anspruch die Bedürfnisse des einzelnen Menschen aus dem Auge.“

Benedikt: (zaghaft) „So gut ich Dich verstehen kann, Gott Vater, weiß ich doch auch, wie schwer es ist, Deinem Wort Folge zu leisten; zu weit entfernt war meine Welt von der Deinigen. Du verlangst Stärke in dem, was wir Menschen tun...“

Gott: „Nein, Benedikt, stets wollte ich Kraft und Stärke sein in deinem Tun! Doch du vertrautest dieser Macht nicht, die ich dir anbot! Du wähntest dich groß aus eigener Kraft und nur noch in deinem Wort war Glaube zu spüren! Doch das Wort allein hält nicht, wenn ihm die Übereinstimmung fehlt mit dem Anspruch, den du an die Welt hattest.“

Benedikt: (verlegen) „Ich gab Dir alles, Gott Vater! Doch sehe ich, es war nicht genug!“

Gott: „Nein, Benedikt, du gabst alles der Kirche, nicht mir! Im Glauben gibt es das nicht, genug oder nicht genug. Hast du vergessen, was ich im Zusammenhang mit dem Glauben über Gnade und Rechtfertigung sagte? Nun äußertest du, du hättest mir alles gegeben, Ist das so? Hat Deine Kirche nicht unzählige Heilige geschaffen, die in weltlicher Hierarchie meinen Platz einnehmen? Und hat deine Kirche nicht einen fragwürdigen Wunderglauben entstehen lassen, mit dem sie versucht, die Menschen zu beeindrucken und ihnen etwas vorzumachen? Allein im Leben, das ich schuf, offenbart sich das Wunder und, lieber Benedikt, alle Menschen sind heilig, denn ich war es, der ihnen das Leben gab! Jeder Mensch ist Kind meines Hauses und meine Tür steht allen offen! Allen, jedem Einzelnen, lieber Benedikt. Du hast dir das Recht zu eigen gemacht, zwischen gut und böse, zwischen Glaube und Unglaube zu unterscheiden und die Gesetze deiner Kirche waren scharf wie eine Klinge. Vielen hast du damit die Tür versperrt, die ich für alle aufgetan habe. Wie oft gebrauchtest du meine Worte: „Kommet her alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ Und wie oft hast du zuwider gehandelt! Die Gedanken der Menschen sind oft weit entfernt von meiner Wahrheit!“

Benedikt: (gedrückt) „Sehr wohl sehe ich – und Du weißt es, Gott Vater – dass ich schwer trug an dem Amt, das Du mir zugedacht hast. Das Amt gab mir Größe, die vor Deiner Wahrheit nicht Stand halten konnte.“

Gott: „Immer wieder lässt sich der Mensch verführen vom eigenen Wollen und von den Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen auf die Geschehnisse der Welt. Statt dem Leben zu dienen, will er Herr sein! Als Herr aber stellt er sich über die Menschen und vergisst zuweilen, wem er das Leben verdankt. Es ist nicht der Teufel, der den Menschen in die Irrwege treibt und ihn zu Untaten anstachelt; ich schuf das Leben, den Menschen, nicht den Teufel! Der Teufel, den der Mensch und nicht zuletzt deine Kirche immer wieder anschuldigt, ist doch nichts anderes, als der Missbrauch der Freiheit, die ich dem Menschen gab. Für alles hat der Mensch seine Bilder und du, lieber Benedikt, hast nichts unternommen, dem ersten Gebot Geltung zu verschaffen, im Gegenteil! Du lebtest in einer Welt von Bildern, teils aufbauend, teils strafend, nicht immer wissend, was dem Glauben dient und was den Unglauben fördert.“

Benedikt schweigt zunächst, dann: „Ich bin Deiner nicht würdig.“

Gott: „Nie soll sich der Mensch meine Wahrheit zu eigen machen. Mein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Meine Tür steht dir offen, Benedikt!“