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Donnerstag, 12.05.2011 07:56 Alter: 9 Jahre

Der Untergang der Kultur

zu Guttenberg


Sage mir einer, wo die Talente des Herrn zu Guttenberg liegen. Er ist ein Blender mit komplett entkoppeltem Gewissen, ein Schauspieler, ein Möchte-Gern-Star. Hinter seinem selbstherrlichen, selbstbewussten und schneidigen Auftreten verbirgt sich ein unstillbares Verlangen nach Wirkung. Mit Macht und List versucht er, den Vorgaben seiner adeligen Herkunft zu entsprechen. Er glaubt, in dieser Rolle unantastbar zu sein, begreift er doch den Adel bereits als Auszeichnung, als Verdienst, als Guthaben, das er nur noch zu realisieren braucht. Warum Mühe, warum Gewissenhaftigkeit, warum Werktreue, wenn alles auch mit Wirkung erzielt werden kann. Schreibtischarbeit liegt ihm nicht, konnte er doch die Erfahrung machen, dass das Unterwegs-Sein im Rampen-licht von Scheinwerfer und Kamera weit größere Aufmerksamkeiten weckt. Deshalb war er nie richtig informiert und dennoch stets in Bestform. Von der Bestform aber, das hat er schnell gelernt, hängt das öffentliche Meinungsbild ab, nicht von Kompetenz und profundem Wissen. Sein Talent ist Blendung und Täuschung.

Nun ist erwiesen, dass er auch in Sachen „Doktorarbeit“ bewusst getäuscht hat. Der Umstand, dass er nicht der Einzige ist, an die Stelle von Fleiß und Mühe vermeintliche Schläue zu setzen, sagt etwas über die allgemeine Betrugsanfälligkeit des Menschen aus, an der Einschätzung von Herrn zu Guttenberg ändert dies nichts. Weit gravierender als der nun aktenkundige Betrug ist sein unaufrichtiger, jedes moralische Bewusstsein verletzender Rückzug, ein Rückzug mit penetranter Wahrheitsverweigerung, ein Rückzug mit unverhohlener, fortgesetzter Täuschung. Selbst den Tod von drei Bundeswehrsoldaten missbrauchte er zur Umnebelung seines Betruges. Zu keinem Zeitpunkt konnte er sagen: „Ja, so ist es!“ Das hätte ihn geadelt.

Das Gesagte charakterisiert einen Menschen, der bis heute so sehr in seine Täuschungsmentalität verstrickt ist, dass er immer noch meint, ungerecht behandelt zu werden. Es ist dies der eigentliche Grund, ihm jede seriösen Talente abzusprechen. Zum Glück trägt er keine politische Verantwortung mehr; den Schaden, den er angerichtet hat, auch wenn er von großen Teilen der Gesellschaft (noch) nicht wahrgenommen wird, ist in jeder Weise immens. Allerdings wird der Schaden vergrößert durch die immer noch in Diensten stehenden Politiker, etwa der Bundeskanzlerin und dem Bayerischen Minister-präsidenten. Dass Sachpolitik schon längst von einer unsäglichen Parteipolitik abgelöst wurde, ist bedauerlich. Weit bedauerlicher ist jedoch eine neue Dimension, die sich in einer moralischen Parteilichkeit kundtut. Es handelt sich hierbei um eine parteilich motivierte Trotzreaktion auf Kosten der Wahrheit. Wir beginnen, jede Orientierung zu verlieren. Bevor wir weiter nach Talenten in der Politik suchen, sollten wir uns um etwas anderes bemühen: um Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit und moralische Eindeutigkeit, bevor wir es zulassen, dass die Moral und damit die Kultur in der Hitze scheinheiliger Parteilichkeit untergeht.